Projekt: „Erzähl mir dein Leben“

Im Deutschunterricht der 10.3-4 arbeiten wir am Projekt „Erzähl mir dein Leben“.

 

Dieses Projekt ist eine Kooperation zwischen Anneliese-Loose-Hartke-Stiftung (Foto der Stiftungsgründerin links) und verschiedenen Bremer Schulen. Der Stiftung geht es um den Austausch zwischen den Generationen. Bei uns hat der E-Kurs des 10. Jahrgangs alte Menschen interviewt.

 

Wichtig war es hierbei, aus der eigenen Familie herauszugehen, andere Geschichten und vielleicht auch einen individuellen Einblick in erlebte Geschichte zu bekommen. Alte Menschen tragen ein wichtiges Gut in sich.

 

Es geht darum „oral history“ (mündlich überlieferte Geschichte) für die Nachwelt zu retten. Nur wer die Geschichte kennt, kann die Zukunft gestalten.

 

"So was hatte doch jeder"

Jugend in der UdSSR

Als ich an dem Reihenhaus von Frau Natalia Engel ankomme, schaut sie schon lächelnd zu mir aus dem Fenster und nimmt mich ganz speziell in Empfang. Sie kann es kaum abwarten, das Interview über ihre Jugend mit mir zu führen.

 

Frau Engel wurde am 5. August 1958 in der Sowjetunion geboren und zog vor 21 Jahren nach Deutschland. Die Jugend verbrachte die 60 jährige jedoch in der Sowjetunion. „Ich hatte Glück, dass ich nicht unter schweren Lebensbedingungen wie andere Kinder aufwachsen musste“, erzählt Frau Natalia mit noch monotoner Stimme.

 

Sie lebte in einem Mehrgenerationshaus mit vielen Verwandten auf. Jedoch hatte sie keine Geschwister. Frau Engel ist der Meinung, dass ein Mehrgenerationshaus aus vielen Gründen eine gute Sache ist, denn so unterstützten sich alle gegenseitig und es kommt so nicht zu einem Fremdwerden zwischen den Generationen und auch nicht zu einem Generationenstreit.

 

Als schlimmsten Moment in ihrem Leben nennt Frau Engel den frühen Tod ihrer Mutter: „Es war sehr traurig“, und ich kann in diesem Moment merken, wie sie ihre Mutter vermisst.

 

Zu der Frage was Ihr schönstes Erlebnis in Ihrer Jugend war, antwortet sie, „Mein sehnlichster Wunsch als Kind war es immer mal ans Meer zu fahren und als ich zum ersten mal da war und einen Monat dort verbracht habe, war es einfach nur schön“.

 

In Ihrer Jugend spielte sie gerne Tischtennis, auch wenn sie bedauert nie in einem Verein gewesen zu sein. Ihren größten Wunsch, das Lehramtsstudium zu absolvieren, konnte sie sich später erfüllen:

Heute hat sie zwei Abschlüsse und zwar in Diplom-Pädagogik und den Master of Arts. Durch diese beiden Abschlüssen ist sie Pflegewissenschaftlerin und Fremdsprachenlehrerin geworden.

 

Auf die Frage nach einer Jugendliebe, sagt Frau Engel lächelnd „So was hatte jeder“. Ihren ersten Freund hatte sie mit Anfang 16.

 

Als ich sie nach ihrer Schulzeit frage, bin ich über ihre Antworten ziemlich überrascht. Zum Beispiel wurde sie in der Schule gar nicht aufgeklärt, das wurde der Familie überlassen. Dennoch gab es aus ihrer Sicht auch gute Sachen gegenüber heute. Man hatte zum Beispiel in der Jugend keine Chance, heimlich Alkohol zu trinken oder zu rauchen.

 

„Die Wehrpflicht gab es.“ erzählt Frau Engel, „Die Mädchen mussten sich als Kriegskrankenschwester und die Jungs als Soldat ausbilden lassen. Die einzige Möglichkeit darum herumzukommen, war es, den Arzt zu bestechen und eine schwere Krankheit vorzutäuschen. Doch auch dazu war viel Geld notwendig.

 

Vor 21 Jahren zog sie nach Deutschland: „ Weil es die Sowjetunion nicht mehr gab und wir wollten ein neues Leben anfangen“, sagt sie und wird immer leiser.

 

Frau Engel heiratete vor 34 Jahren. Heute lebt sie zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn zusammen in Bremen. „ Also es ist schwer zu vergleichen. Denn meine Jugend habe ich in der

Sowjetunion verbracht und es ist sehr schwierig zwei Länder zu vergleichen, aber anhand der letzten 21, die ich in Deutschland verbracht habe, würde ich nicht sagen, dass sich da was geändert hat.“, antwortet sie mit kleinen Schwierigkeiten, zu meiner letzten Frage, die sich allgemein auf ihr Leben bezieht.

 

Zum Abschluss bedanke Ich mich herzlich bei Frau Engel und verabschiede mich, Sie ist überrascht,

dass unser Gespräch so schnell vorbei ist und verabschiedet mich etwas traurig.     

 

(Banujan Jegatheswaran 10.4)